AG 60 plus Thüringen

Besuch der Jugendstrafanstalt in Arnstadt.

Allgemein

Veranstaltung der AG60plus, Kreisverband Erfurt, am 09.11.2016

 

Informationen und Berichte zum Strafvollzug in Thüringen durch Presse und Fernsehen sind oft Themen für Diskussionen. Dabei ist oft erkennbar wie wenig Wissen und wie viel Unkenntnis über den Strafvollzug in der Bevölkerung vorhanden ist. Deshalb ist es wichtig sich von Fachleuten informieren zu lassen. Die Mitglieder der AG60plus nutzten dazu am 09.11.2016 eine Möglichkeit zum Besuch der Jugendstrafanstalt in Arnstadt (JSA). Begleitet wurden wir von Frau Birgit Kummer einer ehemaligen Mitarbeiterin der Thüringer Allgemeinen.

 

Am 09.11.2016 war für 10.00 Uhr eine Führung geplant. Auf einen Hinweis in unseren Einladungsschreiben hatten sich die interessierten Mitglieder der AG60plus bereits 09.15 Uhr an der Thüringenhalle getroffen. Gemeinsam wurde unter der Nutzung privater Fahrzeuge nach Arnstadt und von dort zur JSA gefahren. Nach einer straffen Kontrolle am Eingang mit Überprüfung des Personalausweises und einem Abgleich mit der eingereichten Teilnehmerliste durften wir das Eingangstor passieren.

 

Die erste Station war ein kleiner Aufenthaltsraum. Unsere Gastgeber, Herr Herbert Windmüller, Abteilungsleiter im Justizministerium und der stellvertretende Leiter der Anstalt begrüßten uns und erläuterten kurz die Aufgaben der JSA und berichteten einiges über die Errichtung und die moderne Ausstattung der Anstalt sowie über die finanzielle Unterstützung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF). Besondere Hinweise ergaben sich in der anschließenden Diskussionsrunde zu den Ausbildungsmöglichkeiten für die straffällig gewordenen Jugendlichen. Die Resozialisierung dieser jungen Menschen ist das Hauptanliegen in der JSA. Gute Bedingungen sind dazu erforderlich. Diese sind mit diesem hochmodernen Gefängnis gegeben.

 

Nach dieser kurzen Einführung konnten wir etwas vorinformiert das Gelände der Anstalt betreten. Über einen einem großen Freibereich erreichten wir nach einigen Metern ein Gebäude für die Unterkunft der straffällig gewordenen Jugendlichen. Die sicher verschließbaren Räumlichkeiten befanden sich in der ersten Etage, auf dem Flur war ein kleiner Freibereich mit einer Aufenthaltsmöglichkeit und einem Fernsehbildschirm. Auch eine kleine Küche war vorhanden.

 

Zwei Wohnräume der Insassen konnten wir besichtigen, einfach gestaltet aber mit allem notwendigen versehen. Ein Bett, eine Nasszelle mit WC, ein Schrank (eine Ablagemöglichkeit), ein Schreibtisch auf dem ein kleiner Fernsehbildschirm stand und ein Telefonanschluss waren in jedem Raum vorhanden. Von den Verantwortlichen wurde erläutert, dass der Bewohner des Raumes eine Nutzung des Fernsehers für nichtöffentliche Programme bezahlen muss und dazu mit einem privaten Anbieter einen Vertrag abschließen kann. Telefonieren kann der jeweilige Bewohner mit 10 Anschlüssen, die für seinen Apparat freigeschaltet werden, ebenfalls unter der Voraussetzung der Bezahlung. Als besonders wichtig wurde bei den Erläuterungen die Notwendigkeit eines geordneten und geregelten Tagesablaufes mit sinnvoller Beschäftigung dargelegt. Ein möglicher Tagesablauf wurde kurz erläutert.

 

Weiter ging unser Rundgang über den Hof zu den Ausbildungsstätten der Anstalt – als einem Teil der sinnvollen Beschäftigung. Die Räumlichkeiten für die praxisnahe Ausbildung in mehreren Gewerken liegen dicht aneinander und sind dadurch gut überschaubar und zu überwachen. Wir konnten die Ausbildungsstätten für eine Fahrradreparatur, für Maler- oder Tischlerarbeiten und für Maschinen- und Anlageführer besichtigen und auch mit den Jugendlichen über ihre Erfahrungen reden. Vom Grone-Bildungswerk und von der Arnstädter Berufsschule kommen Lehrausbilder dazu in die Anstalt und natürlich auch die Lehrkräfte für die theoretische Ausbildung.

 

Nach einem kleinen Spaziergang über das Gelände auf dem auch ein großes Gewächshaus zu sehen war sowie kleine, bescheidene Freizeit- und Sporteinrichtungen, erreichten wir die Kantine. Von den Leistungen der Lehrausbildung zum einem Koch bzw. einer Kochhilfe konnten wir uns bei einem gemeinsamen Essen mit unseren Gastgebern überzeugen. Unsere Teilnahme an dem Essen sollte auch ein Dankeschön an die Anstalt und eine Unterstützung für die Lehrausbildung sein.

 

Unser Dank geht auch an die Anstaltsleitung und vor allem und besonders an den Abteilungsleiter Strafvollzug des Justizministeriums, Herrn Windmüller. Bedanken möchten wir uns aber auch über den Bericht von Frau Birgit Kummer in der „Thüringer Allgemeinen“ vom 21.11.2016 über unseren Besuch der JVA. In diesem Bericht wird sehr ausführlich zum Thema Resozialisierung Stellung bezogen – eine Aufgabe deren Umsetzung wir sicher weiter mit Interesse verfolgen werden.

 

(Text : Jürgen Luther)

 

 
 

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